Der politisch-philosphische Blog

Archiv für die Kategorie ‘Philosophie’

Einige Worte gegen Mobbing

Gestern habe ich einen Artikel über ein 15-jähriges Mädchen gelesen, das sich wegen Mobbing das Leben genommen hat. Der Name des Mädchens war Amanda Todd. Sie war ein junges Mädchen in Kanada, das Liebe und Freundschaft suchte und stattdessen Lügen und Hass fand. Solche Dinge finden aber nicht nur in Kanada statt, sondern überall auf der ganzen Welt. Viele Menschen haben sich schon wegen Mobbing umgebracht und gerade in Zeiten des Cybermobbing werden es vermutlich noch mehr werden.

Amanda Todd mag nur eine von vielen gewesen sein, die durch Cybermobbing in den Tod getrieben werden, aber sie ist zu einem Symbol geworden. Dieses zutiefst verletzte Mädchen hat vor ihrem Tod ein Video gemacht, das die Tragik ihrer Situation zeigt. Dieses Video zeigt auf dramatische Weise, was die Menschen mit Mobbing anrichten. Ich weiß genau, worüber ich schreibe. Auch ich habe in meiner Schulzeit jahrelang Mobbing erdulden müssen. Später habe ich mich näher mit dem Thema beschäftigt und ein Buch darüber geschrieben.

Das Problem beim Cybermobbing ist, dass das Internet nichts vergisst und die Lügen und Gemeinheiten, die dort verbreitet werden, nie ganz verschwinden. Die Opfer werden immer wieder damit konfrontiert und wer sich nicht – wie ich – im Laufe der Zeit ein dickes Fell zugelegt hat, wird immer wieder verletzt werden. Mobbing allgemein schlägt tiefe Wunden, die man von außen nicht sieht, aber die oftmals Jahre brauchen, bis sie verheilen. Das sollte sich jede(r) vor Augen halten, bevor er/sie jemanden mobbt.

Manch eine(r) mag es lustig finden, über vermeintlich schwächere zu spotten oder kompromittierende Bilder ins Internet zu stellen. Man sollte sich jedoch immer vor Augen halten, dass man vielleicht einmal selber betroffen sein könnte. Wie würde es sich anfühlen, selber über lange Zeit mit Hohn, Spott, Gewalt und Hass konfrontiert zu werden? Ist es wirklich lustig, anderen Menschen so etwas anzutun, nur um das eigene Ego aufzupolieren? Mobbing ist niemals lustig, sondern für die Opfer meist eine sehr bittere Erfahrung.

Das Internet ist eine wunderbare Möglichkeit für Milliarden von Menschen, zu lernen, Freunde zu finden und zu kommunizieren. Wir alle sind dafür verantwortlich, es nicht für schmutzige Intrigen und Cybermobbing zu verwenden. Mobbing sollte nirgendwo einen Platz haben. Am allerwenigsten sollte es aber im Internet stattfinden, denn das Internet vergisst nie.

Advertisements

Eine Mahnung gegen Rassismus

Heute habe ich eine Nachricht gelesen, die mich doch sehr beunruhigt hat. Da sind in Ungarn Rechtsextremisten auf die Straße gegangen, um gegen die Minderheit der Roma zu demonstrieren. Neben anderen unfreundlichen Worten fiel da der Satz „Wer nicht arbeitet, soll nicht Kinder in die Welt setzen.“

Eine Frage, die sich aufdrängt, ist natürlich „Was denken sich diese Rassisten dabei, anderen verbieten zu wollen, Kinder zu bekommen? In Europa gilt Freiheit für alle Bevölkerungsgruppen; das schließt auch Minderheiten ein. Natürlich haben auch die Rassisten ihre Freiheit und speziell die Meinungs- und Redefreiheit erlaubt ihnen, auch solche kruden Aussagen zu machen. Doch vielleicht wird es Zeit, dass sie die wirkliche Freiheit finden.

Rassisten haben natürlich laut Gesetz die gleiche Freiheit, wie alle anderen Menschen auch. Dennoch sind sie nicht wirklich frei, da sie von Unwissenheit und Hass versklavt werden. Was denen fehlt, ist Bildung, Wissen und Weisheit, um ihre Fehler zu erkennen und wahre Freiheit zu finden.

Rassismus und Hass hat meist etwas mit mangelnder Bildung und mangelndem Wissen zu tun. Wenn man Rassisten und andere Extremisten befragt, stellt man schnell fest, dass sie wenig bis gar nichts über die Menschen wissen, die sie bekämpfen. Da hört man dumpfe Vorurteile über Minderheiten, die keiner genauen Überprüfung standhalten. Genau das ist aber der Grund für Rassismus und Ablehnung. Wenn man etwas nicht kennt, hat man zunächst einmal Misstrauen und Angst. Daraus entsteht natürlich keine Zuneigung und wenn man dieses nicht durch Wissen und Bildung kuriert, entsteht dadurch Abneigung und Hass.

Ein Beispiel, das nichts mit Menschen zu tun hat, ist die erste deutsche Eisenbahn. Als die Menschen in Deutschland das erste Mal eine Eisenbahn gesehen haben, dachten sie, das sei der Teufel und haben die Lokomotive mit Steinen beworfen. Bei Menschen funktionierte das auch genauso. Da die meisten Menschen nichts oder nur wenig über „Die Juden“ und ihren Glauben wussten, waren sie misstrauisch und erfanden irgendwelche Geschichten, die u. a. darin gipfelten, dass man erzählte, die Juden würden kleine Kinder essen, was natürlich absoluter Unsinn war. Was daraus dann später wurde, kann man heute in Geschichtsbüchern lesen.

Deshalb ist Bildung wichtig, um den Menschen zur gesetzlichen Freiheit auch die geistige Freiheit zu geben. Dazu gehört auch, dass man auf die anderen Menschen zugeht und sie kennenlernt. Meist stellt man dabei fest, dass es sich um Menschen handelt, die genauso wie wir ihre Stärken und Schwächen haben und eigentlich sehr nett sind. Probieren Sie es noch heute aus und geben Sie ihrem Geist etwas mehr Freiheit. Das Internet gibt Ihnen übrigens die perfekte Möglichkeit, sich weiter zu bilden. Nutzen Sie die Freiheit des Internets um Ihrem Geist Freiheit zu geben. Sammeln Sie Wissen und Bildung und erlangen Sie Weisheit.

Einige Gedanken zur Erbschaftsteuer

Wie jeder weiß, gibt es in Deutschland und einigen anderen Staaten die Erbschaftssteuer. Wenn jemand stirbt und ein gewisses Vermögen hinterlässt, müssen die Erben für das, was sie bekommen Steuern zahlen. Dafür gibt es meist unterschiedliche Freibeträge und Steuersätze. In Deutschland bemisst sich die Höhe der Freibeträge und der Steuersatz nach dem Verwandtschaftsgrad.

Zur Zeit findet in Deutschland gerade eine Diskussion statt, ob die Erbschaftssteuer bzw. ihre derzeitige Ausgestaltung Verfassungswidrig ist. Mir persönlich ist weniger wichtig, ob diese Steuer Verfassungswidrig ist. Ich stelle mir die Frage, ob die Erbschaftssteuer ethisch korrekt ist. Die Antwort darauf lautet „Nein“ und ich werde hier darlegen, warum.

Zunächst einmal betrachte ich es als unethisch, wenn sich der Staat am Tod eines Bürgers bereichert. Die Hinterbliebenen haben es sowieso schon nicht leicht und müssen nach dem Tod eines Familienmitgliedes oder Freundes ohnehin schon viele schmerzliche Pflichten erledigen. Dann werden sie auch noch in ihrer Trauer von einer Behörde gestört, die nichts anderes im Sinn hat, als sich über die Erbschaftssteuer erst einmal einen möglichst großen Anteil am Vermögen des Verstorbenen zu sichern. Wenn der Verstorbene wollte, dass der Staat auch etwas von dem Vermögen bekommt, hätte er den Staat in seinem Testament bedacht. Tut er das nicht, sollte man den letzten Willen des Verstorbenen auch respektieren.

Zweitens habe ich da immer das Argument der Neider im Ohr, dass es sich ja da für die Erben um anstrengungsloses Einkommen handele. Ist es das wirklich? Haben die Erben tatsächlich nichts dafür getan? Meist sind die Erben der Ehepartner und die Kinder. Nun ist es ja so, dass große Vermögen nicht von einem alleine erarbeitet werden. Da ist ein Ehepartner – meist die Ehefrau – der dem Erblasser den Rücken frei gehalten hat und meist mehr geleistet hat, als „nur“ den Haushalt zu erledigen. Da sind die Kinder, die gerade in Familienbetrieben tatkräftig mitgeholfen haben, damit der Laden läuft und wachsen kann. Diese alle sollen nun um ihren fairen Anteil am bereits versteuerten Wohlstand betrogen werden, nur weil einige Neider meinen, es wäre anstrengungsloser Wohlstand?

Der dritte Punkt ist aber fast noch wichtiger. Hier geht es um die technische Machbarkeit. Gerade die sehr großen Vermögen, die ja am meisten Steuern abwerfen sollen, bestehen meist nur zum kleinen Teil aus Geld. Der größte Teil ist investiert in Unternehmen, Immobilien, Wertpapieren und anderen Vermögensgegenständen, die alle erst einmal bewertet werden müssen, was an sich schon eine sehr schwierige und komplizierte Angelegenheit ist. Vieles davon ist in der heutigen Zeit in anderen Ländern auf dem ganzen Globus verteilt. Selbst wenn der Steuerpflichtige ehrlich ist und sich nach bestem Wissen und Gewissen bemüht, alles anzugeben, bleibt immer noch die Frage, wer das alles korrekt erfassen und bewerten soll. Das ist eine fast unlösbare Aufgabe.

Aus all diesen und noch mehr Gründen ist es eigentlich das beste, wenn solch ein Unsinn wie die Vermögenssteuer so schnell wie möglich abgeschafft wird und die Staaten versuchen, Geld auf ethisch korrekte Weise einzunehmen.

Gedanken zum 3. Oktober

Heute ist der 22. Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung. Heute vor 22 Jahren wurde endlich wieder zusammengefügt, was zusammen gehört. Nach mehr als 40 Jahren Trennung waren die beiden Teile Deutschlands endlich wieder vereint. Im Jahr davor war die Mauer gefallen. Die Mauer an der unzählige unschuldige Menschen auf Befehl von eiskalten, machtgierigen Verbrechern durch bezahlte Berufskiller ermordet wurden.

Mit der Öfnnung der Grenze und der Wiedervereinigung bekamen endlich auch die Menschen im Ostteil Deutschlands ihre Freiheit. Für unzählige Opfer der blutgierigen Mordkommandos and der innerdeutschen Grenze kam diese Entwicklung leider zu spät. Doch nicht nur an der Grenze gab es Opfer. Auch andere Verbrecherorganisationen wie z. B. die Stasi lebten in über 40 Jahre ihre Lust an Mord und Unterdrückung ungehindert aus. Auch deren Untaten wurde mit dem Ende der DDR ein Ende gesetzt. Letztlich hat der Freiheitswille des Volkes über die Barbarei und Unterdrückung der sozialistischen Parteidiktatur gesiegt.

Die Befreiung Ostdeutschlands war das Verdienst mutiger und aufrechter Menschen, die auf die Straße gingen und sich nicht mehr den Berufsverbrechern and Spitze der Diktatur beugten. Diese Befreiung war auch das Verdienst tausender Menschen, die sich nicht mehr einsperren ließen und in der „Abstimmung mit den Füßen“ das Land verließen, das ihnen bis dahin nicht nur die Freiheit verweigerte. Eine Regierung, die sich über Jahrzehnte nur mit Lüge, Mord und Unterdrückung an der Macht gehalten hatte, wurde von diesen Menschen endgültig beseitigt.

Aber diese Menschen hatten auch Hilfe. Diese Hilfe kam von Politikern aus Deutschland, den USA und sogar aus der Sowietunion in Gestalt von Michael Gorbatschow. Nicht vergessen sollte man auch die Hilfe durch Länder wie Ungarn, das als eines der ersten Ländern Bürgern der DDR die Ausreise in den Westen ermöglichte.

Später schien es, als ob manche Menschen sehr schnell die Unterdrückung und Versklavung durch die SED-Schergen vergessen hatten, wenn sie plötzlich feststellten, dass zur Freiheit auch eigene Verantwortung gehört. Da wurde dann geklagt, dass der Westen alles kaputt gemacht hätte, obwohl die Misswirtschaft der DDR-Regierung alles soweit hatte verkommen lassen, dass fast nichts mehr existierte, das noch irgendwer hätte zerstören können. Das Einzige, was noch verkommener war als die Infrastruktur der ehemaligen DDR, waren die Charaktere ihrer sogenannten Regierung.

Seither hat sich viel getan in beiden Teilen Deutschlands und Ost und West sind dabei, wieder zu einer Einheit zusammenzuwachsen. Es gibt immer noch Unterschiede in der Bezahlung und bei den Beitragsbemessungsgrenzen, doch diese Unterschiede werden immer geringer und ich denke mal, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis wir auch im Osten Deutschlands nicht nur in Sachen Infrastruktur, sondern auch wirtschaftlich die blühenden Landschaften sehen werden, die der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl bei der Wiedervereinigung versprochen hat.

Dazu gehört allerdings, dass sich Deutschland seiner Geschichte immer bewusst ist und in der Erinnerung an die schlimmen Zeiten, die im letzten Jahrhundert überwunden wurden, und an die zwei Diktaturen, die Deutschland erlitten hat, immer die Freiheit verteidigt. Dazu gehört auch die Meinungs und Redefreiheit, die in letzter Zeit immer heftiger attackiert wird mit Plänen wie ACTA und dem CleanIT Project der EU Kommision. Gerade in Ostdeutschland sollte man solche üblen Auswüchse mit der Stasi noch gut in Erinnerung haben und auch im Westen der Bundesrepublik sollten solche Vorhaben die Alarmglocken läuten lassen. Auch wenn gewisse Gruppierungen versuchen, mit Gewalt Einschränkungen der Freiheit zu erzwingen, sollte man sich keinesfalls beugen, sondern den Gegnern der Meinungsfreiheit entschlossen entgegentreten.

In diesem Sinne hoffe ich, dass nach der erfolgreichen Wiedervereinigung alle Menschen in Deutschland wachsam bleiben und sorgfältig darauf achten, dass nicht unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung oder anderer Tarnung wieder ein Überwachungssystem aufgebaut wird und damit die Freiheit und die Demokratie wieder einmal abgeschafft wird. Deutschland hatte im 20. Jahrhundert zwei Diktaturen. Hoffen wir, dass es im 21, Jahrhundert und darüber hinaus von solch üblen Zeiten verschont bleibt.

Neuer Gedichtband von Günter Grass – wieder mit Zündstoff

Günter Grass hat wieder einen neuen Gedichtband veröffentlicht und wieder ist politischer Zündstoff darin enthalten. Ein Artikel im Focus sagt, dass hier wieder einmal Israel provoziert wird. Immerhin erwähnt er in einem Gedicht den israelischen Nukleartechniker Mordechai Vanunu und bezeichnet ihn als Helden. Mordechai Vanunu hatte im Jahre 1986 im Ausland über das geheime israelische Atomprogramm geplaudert und war deshalb zu einer Haftstrafe verurteilt worden, der noch weitere folgten, weil er immer wieder darüber sprach.

Es mag nun sein, dass einige Menschen in Israel das durchaus als Provokation auffassen, dass dieser Mann nun von Günter Grass als Held bezeichnet wird. Ich persönlich sehe das ein wenig anders. Günter Grass verwendet Vanunu in dem Gedicht als leuchtendes Beispiel für eine Handlungsweise, die er gerne öfter sehen würde. Er ruft in diesem Gedicht implizit dazu auf, diesem Vorbild zu folgen und militärischen Geheimnisverrat zu begehen – besonders da, wo man sieht, dass Massenvernichtungswaffen hergestellt werden.

Ich denke nicht, dass Günter Grass mit diesem Gedicht explizit Israel provozieren will. Ich denke, er hat Mordechai Vanunuausgewählt, weil er ein seltenes Beispiel für eine aus der Sicht des Dichters wünschenswerte Handlungsweise ist. Vermutlich ist er auch das prominenteste Beispiel. Weil Günter Grass in dem Gedicht auch neben anderen Orten, wo Kriegswaffen hergestellt werden, auch Kiel erwähnt, macht der Autor des Focus-Artikels darauf aufmerksam, dass in Kiel auch die U-Boote für Israel gebaut werden, von denen angenommen wird, dass sie auch mit Atom-Waffen bestückt werden können. So kann man natürlich auch eine Provokation an Israel konstruieren.

Ich halte es für falsch, aus diesem Gedicht gleich wieder eine Provokation an Israel herauslesen zu wollen. Natürlich kann man sich das so zurechtlegen, aber ich denke, dass es Günter Grass in dem Fall um viel mehr geht. Es geht darum, dass immer stärkere und immer gefährlichere Systeme zur Vernichtung von Menschenleben hergestellt werden und die Menschen dazu aufgefordert werden, da nicht schweigend zuzuschauen. Günter Grass fordert dazu auf, das publik zu machen und in das Bewusstsein der Menschen zu bringen. Das ist in meinen Augen ein wichtiges Anliegen, das alle Menschen unterstützen sollten.

Der Link zum Focus-Artikel:

http://www.focus.de/kultur/medien/eintagsfliegen-guenter-grass-provoziert-israel-in-neuem-gedichtband_aid_829397.html

Einige Worte zur Meinungsfreiheit

In den vergangenen Tagen wurde wiederholt die Meinungsfreiheit in Frage gestellt. Da gab es gewalttätige Proteste gegen ein dümmliches Video im Internet und es gab gestern die Nachricht über Empfehlungen des Projektes CleanIT zur Bekämpfung von terroristischen, illegalen und unerwünschten Inhalten.

Die Islamisten, die gegen das Video protestierten, forderten dessen Entfernung aus dem Internet, weil es angeblich den Islam und den Propheten Mohammed beleidige. Dass das Video – so dümmlich und schlecht es auch war – von der Meinungsfreiheit geschützt wird, interessiert da nicht. Es ist ein unerwünschter Inhalt und soll also entfernt werden.

Interessanterweise geht auch bei CleanIT unter anderem um unerwünschte Inhalte, die man gerne aus dem Netz entfernen oder zumindest unzugänglich machen möchte. Auch hier hält man nicht wirklich viel von Meinungsfreiheit. Das Internet als Ort des Meinungsaustausches und der freien Kommunikation ist offensichtlich immer mehr Leuten ein Dorn im Auge.

Ähnliche Ansätze gab es immer wieder in der Geschichte. Meist waren es nicht die Verfechter von Freiheit und Gerechtigkeit, die die Meinungsfreiheit einschränken wollten bzw. es auch taten. Tatsächlich waren diese Menschen oder Organisationen in allererster Linie daran interessiert, ihre Macht zu erhalten. Das sieht man an der ehemaligen DDR, der Sowietunion, aber auch heute noch in China, Vietnam, Nordkorea und anderen undemokratischen Staaten.

Meinungsfreiheit ist ein kostbares Gut und unverzichtbar in einer demokratischen Gesellschaft. Nur da, wo man sich frei und ungehindert austauschen kann, kann Demokratie gedeihen. Insofern ist ein freies Internet als Ort der ungehinderten und unzensierten Kommunikation eine wichtige Basis für eine demokratische globale Gemeinschaft. Wer hier die Meinungsfreiheit einschränken will, outet sich als Feind der Demokratie.

Die Überwachung der Kommunikation im Internet erscheint gerade vor dem Hintergrund der Ereignisse der vergangenen Wochen als ein feiges Einknicken vor der Gewalt und auch als ein Kotau vor undemokratischen Unrechtsregimen wie China, das ja auch in den vergangenen Tagen seine militärischen Fähigkeiten mit der Inbetriebnahme des ersten chinesischen Flugzeugträgers verstärkt hat. Besteht vielleicht auch da eine Verbindung zur geplanten Einschränkung der Meinungsfreiheit?

Fassen wir noch einmal zusammen:

Radikale Islamisten sind nicht erst seit dem Video gegen unerwünschte Inhalte im Netz, was bei denen in erster Linie alle irgendwie gearteten Beleidigungen ihres Propheten betrifft.

Undemokratische Staaten wie z. B. China sind gegen unerwünschte Inhalte im Netz, was in dem Fall unerwünschte Kritik und damit Gefährdung der eigenen Macht betrifft. Speziell China wird in den vergangenen Jahren wirtschaftlich immer stärker und verstärkt nun auch seine militärischen Kräfte.

Das von der Europäischen Kommission finanzierte Projekt CleanIT will nun die Meinungsfreiheit im Internet einschränken, indem die Kommunikation dort überwacht wird und nicht nur terroristische und illegale, sondern auch unerwünschte Inhalte herausgefiltert werden.

Knickt man mit diesem Angriff auf die Meinungsfreiheit und damit auf die Demokratie nur vor den Feinden der Demokratie ein? Oder will man sogar selber nicht nur die Meinungsfreiheit sondern auch die Demokratie in Europa abschaffen? Plant man eine Diktatur in Europa?

Gibt es Grenzen für die Meinungsfreiheit?

Angesichts der gewalttätigen Proteste gegen das Mohammed-Video wurde in den vergangenen Tagen immer wieder die Meinungsfreiheit in Frage gestellt bzw. in Erwägung gezogen, diese durch Verbote einzuschränken. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern das im Einklang mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung steht, die in Deutschland immer wieder gerne zitiert wird und auch im Grundgesetz und weiteren Gesetzen schriftlich festgelegt ist.

Die Meinungsfreiheit ist ebenso wie die Freiheit der Kunst im Grundgesetz ausdrücklich garantiert. Nun gibt es einige, die sagen, dass das Mohammed-Video mehr als nur eine Meinungsäußerung sei und auch nicht als Kunst einzustufen sei. Letzteres würde ich gerne bestätigen, denn auch ich finde das Mohammed-Video geschmacklos und furchtbar. Es liegt jedoch nicht an uns, zu entscheiden, was Kunst ist und was nicht. Das entscheiden meist die, die sich selbst als Künstler betrachten. Auch das ist übrigens von der Meinungsfreiheit gedeckt. Auch ein Video kann übrigens eine Meinungsäußerung darstellen, auch wenn es für andere eine Provokation darstellt.

Doch wie ist mit Blick auf das Mohammed-Video eine Einschränkung der Meinungsfreiheit zu beurteilen? Es gibt ja Bestrebungen mancher Politiker, eine geplante Aufführung des kompletten Filmes zu verbieten. In Frankreich hingegen wurden Demonstrationen gegen das Video verboten.

In beiden Fällen handelt es sich um Einschränkungen der Meinungsfreiheit und im Fall des Filmes auch um eine Einschränkung der Freiheit der Kunst. Ist das Mohammed-Video tatsächlich so gefährlich, dass diese Maßnahmen gerechtfertigt sind? Oder ist nicht das Mohammed-Video so schrecklich, sondern ganz andere Dinge?

Zunächst einmal bin ich persönlich der Meinung, dass das Mohammed-Video an sich nicht gefährlich ist, sondern einfach nur geschmacklos und dumm. Wenn Sheikh Khalid Abdullah dieses Machwerk nicht im TV veröffentlicht hätte, wäre es immer noch sehr unbekannt. Aber auch das war durch Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst gedeckt. Das gilt zumindest in Deutschland. Wie das in seiner Heimat aussieht, weiß ich nicht.

Dass daraufhin Botschaften angegriffen und Menschen getötet wurden, war definitiv nicht durch Meinungsfreiheit gedeckt, sondern war stupide Gewalt, die nach meiner Erkenntnis überall strafbar ist. Daran ändert auch das Mohammed-Video nichts. Wenn aber jetzt ein Staat wie Deutschland aufgrund dieser Gewalt die Aufführung des Filmes verbietet oder gar das Video ganz verbieten will, könnten die Gewalttäter auf die Idee kommen, dass man mit der nötigen Gewalt nicht nur die Meinungsfreiheit einschränken kann, sondern eventuell noch andere Grundrechte eingeschränkt werden können. Das Gleiche gilt für das Verbot der Demonstration. Auch hier wird nicht nur die Meinungsfreiheit, sondern auch noch die Versammlungsfreiheit eingeschränkt.

Das darf nicht passieren. Gewalttäter dürfen niemals unsere Freiheit einschränken! gerade die Meinungsfreiheit ist ein zu hohes Gut als dass man sie leichtfertig auf Druck einiger Randalierer und Mörder aufgeben darf. Daran darf auch ein geschmackloses Mohammed-Video nichts ändern.