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Einige Gedanken zur Erbschaftsteuer

Wie jeder weiß, gibt es in Deutschland und einigen anderen Staaten die Erbschaftssteuer. Wenn jemand stirbt und ein gewisses Vermögen hinterlässt, müssen die Erben für das, was sie bekommen Steuern zahlen. Dafür gibt es meist unterschiedliche Freibeträge und Steuersätze. In Deutschland bemisst sich die Höhe der Freibeträge und der Steuersatz nach dem Verwandtschaftsgrad.

Zur Zeit findet in Deutschland gerade eine Diskussion statt, ob die Erbschaftssteuer bzw. ihre derzeitige Ausgestaltung Verfassungswidrig ist. Mir persönlich ist weniger wichtig, ob diese Steuer Verfassungswidrig ist. Ich stelle mir die Frage, ob die Erbschaftssteuer ethisch korrekt ist. Die Antwort darauf lautet „Nein“ und ich werde hier darlegen, warum.

Zunächst einmal betrachte ich es als unethisch, wenn sich der Staat am Tod eines Bürgers bereichert. Die Hinterbliebenen haben es sowieso schon nicht leicht und müssen nach dem Tod eines Familienmitgliedes oder Freundes ohnehin schon viele schmerzliche Pflichten erledigen. Dann werden sie auch noch in ihrer Trauer von einer Behörde gestört, die nichts anderes im Sinn hat, als sich über die Erbschaftssteuer erst einmal einen möglichst großen Anteil am Vermögen des Verstorbenen zu sichern. Wenn der Verstorbene wollte, dass der Staat auch etwas von dem Vermögen bekommt, hätte er den Staat in seinem Testament bedacht. Tut er das nicht, sollte man den letzten Willen des Verstorbenen auch respektieren.

Zweitens habe ich da immer das Argument der Neider im Ohr, dass es sich ja da für die Erben um anstrengungsloses Einkommen handele. Ist es das wirklich? Haben die Erben tatsächlich nichts dafür getan? Meist sind die Erben der Ehepartner und die Kinder. Nun ist es ja so, dass große Vermögen nicht von einem alleine erarbeitet werden. Da ist ein Ehepartner – meist die Ehefrau – der dem Erblasser den Rücken frei gehalten hat und meist mehr geleistet hat, als „nur“ den Haushalt zu erledigen. Da sind die Kinder, die gerade in Familienbetrieben tatkräftig mitgeholfen haben, damit der Laden läuft und wachsen kann. Diese alle sollen nun um ihren fairen Anteil am bereits versteuerten Wohlstand betrogen werden, nur weil einige Neider meinen, es wäre anstrengungsloser Wohlstand?

Der dritte Punkt ist aber fast noch wichtiger. Hier geht es um die technische Machbarkeit. Gerade die sehr großen Vermögen, die ja am meisten Steuern abwerfen sollen, bestehen meist nur zum kleinen Teil aus Geld. Der größte Teil ist investiert in Unternehmen, Immobilien, Wertpapieren und anderen Vermögensgegenständen, die alle erst einmal bewertet werden müssen, was an sich schon eine sehr schwierige und komplizierte Angelegenheit ist. Vieles davon ist in der heutigen Zeit in anderen Ländern auf dem ganzen Globus verteilt. Selbst wenn der Steuerpflichtige ehrlich ist und sich nach bestem Wissen und Gewissen bemüht, alles anzugeben, bleibt immer noch die Frage, wer das alles korrekt erfassen und bewerten soll. Das ist eine fast unlösbare Aufgabe.

Aus all diesen und noch mehr Gründen ist es eigentlich das beste, wenn solch ein Unsinn wie die Vermögenssteuer so schnell wie möglich abgeschafft wird und die Staaten versuchen, Geld auf ethisch korrekte Weise einzunehmen.

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