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Warum die Vermögenssteuer nicht funktionieren kann

In regelmäßigen Abständen wird von diversen Parteien und Gewerkschaften mehr oder weniger laut die Einführung der Vermögenssteuer gefordert. Begründet wird das meist mit der sozialen Verantwortung, die „Die Reichen“ haben, und damit, dass schon seit langem „die Reichen“ immer reicher werden, während „die Armen“ immer ärmer werden. Es fände also gewissermaßen eine Umverteilung von unten nach oben statt, die man nun mt der Vermögenssteuer gerne umkehren möchte. Deshalb wird die Diskussion darüber von einigen Leuten auch als Neiddebatte bezeichnet.

Ich persönlich denke, dass die Forderung, „die Reichen“ mehr an den Kosten für die Allgemeinheit zu beteiligen, durchaus ihre Berechtigung hat. Gleichwohl ist der stets wiederholte Ruf nach einer Vermögenssteuer sicher auch von einem gewissen Neid unterfüttert und zeugt auch von einer gewissen Ahnungslosigkeit. Jede Steuer sollte mit vernünftigem Aufwand berechnet und festgesetzt werden können. Das heißt, es sollte mit einem überschaubaren Aufwand möglich sein, die zu versteuernden Beträge zu ermitteln und auf dieser Grundlage die Steuer zu berechnen. Das ist aber bei der Vermögenssteuer nicht der Fall.

Wer sich mit der Realität ein wenig auskennt, wird wissen, dass die Leute mit großen Vermögen nur einen relativ geringen Teil davon als Geld auf dem Konto haben. Das meiste Vermögen ist in der Regel irgendwo investiert. Ein Teil existiert in Form von Immobilien. Diese sind schon im Inland nicht einfach zu bewerten. Noch problematischer wird es aber bei Immobilien im Ausland. Woher will das Finanzamt wissen, wo der Steuerpflichtige wieviele Immobilien hat und welchen Wert die besitzen? Trotzdem müssten die bei der Berechnung der Vermögenssteuer berücksichtigt werden.

Ein anderer Teil des Vermögens besteht meist in Unternehmensbeteiligungen. Auch hier gilt, dass eine Erfassung und Bewertung nur dann wirklich Erfolg verspricht, wenn sich das Unternehmen, an dem der Steuerpflichtige beteiligt ist, im Inland oder zumindest in der EU befindet. Auch das ist aber nicht immer gegeben und schon wieder versagt die Vermögenssteuer.

Am schwierigsten wird es aber bei den anderen Vermögensarten wie z. B. Wertgegenstände. Wie will das Finanzamt zuverlässig feststellen, wieviel Vermögen der Steuerpflichtige z. B. in Form von Edelsteinen, Goldmünzen, wertvollen Gemälden und Teppichen etc. zuhause hat? Aber auch das sollte doch alles der Vermögenssteuer unterliegen, wenn man es richtig machen will.

Ich denke, eine vernünftige Alternative zur Vermögenssteuer wäre es, an der Einkommensteuer zu arbeiten. Da ein nicht unerheblicher Teil der Einkünfte bei den vermögenden Menschen aus Zinsen und Dividenden besteht, könnte man z. B. die Abgeltungssteuer etwas heraufsetzen. Die jetzigen 25% sind ja nun nicht unbedingt als üppig zu bezeichnen.

Eine weitere Alternative zur Vermögenssteuer wäre es, die Menschen mit hohen Einkommen mehr an der Finanzierung der Sozialsysteme zu beteiligen, indem man z. B. die jetzigen Beitragsbemessungsgrenzen abschafft, aber die Leistungen z. B. der Rentenversicherung nach oben (und evtl. auch unten) begrenzt. Damit könnten die Menschen auskömmliche Renten bekommen und der Staat brauchte keine oder zumindest weniger Zuschüsse zu zahlen.

Man sieht also, dass es wesentlich bessere und effektivere Möglichkeiten gibt, soziale Gerechtigkeit zu erreichen als nur den Ruf nach der Vermögenssteuer, die schlichtweg nicht praktikabel ist.

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